| Version | bis 30.03.2005 | Aktuell |
|---|---|
| BITV-Bedingung | 9.2 |
| Bewertungsalternativen | ja / eher erfüllt / eher nicht erfüllt / nein |
| Gewichtung | hohes Gewicht (3 Punkte) |
| Abwertung | auf "schlecht zugänglich" |
| Bezieht sich auf | einzelne Webseite |
| Prüfschritt erfüllt | Auch ohne Maus können alle wesentlichen Funktionen und Inhalte genutzt werden. |
Die Webseite soll auch ohne Maus - also ausschließlich mit der Tastatur - zu benutzen sein.
Die Bedienung soll geräteunabhängig möglich sein. Das bedeutet: Sie muss sowohl mit der Maus als auch mit der Tastatur möglich sein. Denn auch andere Spezialgeräte verhalten sich so wie eine Maus oder wie eine Tastatur.
Probleme gibt es meistens mit der Tastaturbedienung, denn die Mehrzahl der Webnutzer arbeitet mit der Maus, daher wird oft nur an die gedacht.
Auf die Tastaturbedienbarkeit angewiesen sind zum Beispiel viele motorisch eingeschränkte Menschen oder Blinde.
Der Prüfschritt ist immer anwendbar.
Der Prüfer muss mit der Funktionsweise der eingesetzten Browser vertraut sein, er muss wissen, welche Tasten und Tastenkombinationen für die Tastaturbedienung vorgesehen sind.
Wichtig in diesem Zusammenhang:
Jedes über eine eigene Schnittstelle verfügende Element muss in geräteunabhängiger Weise bedient werden können.
http://www.bik-online.info/info/gesetze/bitv/anlage_1.php#9-2
Sorgen Sie dafür, dass jedes Element, das über seine eigene Schnittstelle verfügt, in geräteunabhängiger Weise bedient werden kann.
http://www.w3c.de/Trans/WAI/webinhalt.html#tech-keyboard-operable
Im Techniken-Entwurf findet sich der Hinweis, dass der Checkpunkt eng verbunden ist mit Leitlinie 8. Gefragt wird, ob Redundanz vorliegt, die beseitigt werden kann:
"This technique is strongly tied to Guideline 8 and checkpoint 1.1 (image maps). Is there redundancy that we can get rid of?" (http://www.w3.org/TR/AERT#keyboard-operable)
Der BITV-Test folgt diesem Hinweis. Wir beschränken Prüfschritt 9.2.1 in diesem Sinne auf Elemente, die nicht schon in Checkpunkt 8.1 abgedeckt sind. Geprüft wird, ob die Seiten geräteunabhängig sind und mit der Tastatur bedient werden können.
Not every user has a graphic environment with a mouse or other pointing device. Some users rely on keyboard, alternative keyboard or voice input to navigate links, activate form controls, etc. Content developers must ensure that users may interact with a page with devices other than a pointing device. A page designed for keyboard access (in addition to mouse access) will generally be accessible to users with other input devices. What's more, designing a page for keyboard access will usually improve its overall design as well.
Quelle: http://www.w3.org/TR/WCAG10-CORE-TECHS
Geräteunabhängiger Zugriff bedeutet, dass der Benutzer mit dem Benutzeragenten oder Dokument über sein bevorzugtes Eingabegerät (oder Ausgabegerät) umgeht -- Maus, Tastatur, Sprache, Kopfstab oder sonstiges. Wenn zum Beispiel ein Kontrollelement eines Formulars nur mit einer Maus oder einem anderen Zeigegerät aktiviert werden kann, wird jemand, der die Seite nicht sieht, oder Spracheingabe oder ein anderes zeigerloses Eingabegerät benutzt, nicht in der Lage sein, das Formular zu benutzen. (...)
Allgemein sind Seiten, die eine Bedienung über die Tastatur erlauben, auch über Spracheingabe oder eine Kommandozeilen-Schnittstelle zugänglich.
Quelle: http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/webinhalt.html
Unter Microsoft Windows werden title-Texte von Links nur für Mausbenutzer angezeigt. Die Webseite kann da eigentlich nichts machen. Sie kann nur dafür sorgen, dass das Linkziel auch ohne Bezug auf den (nach der HTML-Spezifikation ergänzenden) title-Text aussagekräftig ist und deutlich macht, wohin der Link führt. Aber das betrifft den Prüfschritt zu Linktexten.
(07.04.2005)
Wenn eine Webseite viele Links enthält, dann kann es viel Zeit kosten, per Tabulator einen der Links auszuwählen. Auch wenn prinzipiell alle Links erreichbar sind, ist die praktische Nutzbarkeit dann eingeschränkt.
Allerdings wird jemand, der regelmäßig mit der Tastatur arbeitet, einen Browser nutzen, der entsprechende Unterstützung anbietet.
In erster Linie geht es bei der Prüfung der Tastaturbedienbarkeit darum, ob regelmäßige Tastaturbediener die Seite nutzen können. Das sind vor allem blinde Nutzer und Nutzer, die wegen körperlicher Einschränkungen die Maus nicht nutzen. Blinde Nutzer sind auf den Microsoft Internet Explorer angewiesen. Für sie hängt die praktische Nutzbarkeit von Seiten mit vielen Links in erster Linie an der Strukturierung. Sehende Nutzer mit körperlichen Einschränkungen können Browser einsetzen, die eine relativ gute Unterstützung der Tastaturbedienung bieten, wie zum Beispiel Firefox oder Opera.
Schwierig ist die Nutzung von Seiten mit vielen Links für gelegentliche Tastaturnutzer, die einen ungeeigneten Browser einsetzen oder mit den Möglichkeiten ihres Browsers nicht vertraut sind.
(07.04.2005)
onchange genutzt werden?Für Mausbenutzer ist es praktisch, wenn die in einer Auswahlliste (select-Element) ausgewählte Funktion gleich ausgeführt wird. Sie sparen sich den Klick auf den Abschicken-Button. Für Tastaturbenutzer ist diese Technik schwierig, denn wenn sie im Internet Explorer mit der Pfeiltaste die Liste öffnen, wird die Funktion hinter dem ersten Listeneintrag unbeabsichtigt ausgelöst.
Zwar können solche Auswahllisten entgegen verbreiteter Ansicht auch im Internet Explorer mit der Tastatur bedient werden. Allerdings muss man dafür die richtige Tastenkombination kennen ("ALT + Pfeil nach unten", um die Liste zu öffnen).
Erfahrene Tastaturbenutzer wissen, wie Auswahllisten ohne Auslösen zu öffnen sind, für sie ist der Einsatz dieser Technik kein Hindernis.
Problematisch ist sie für gelegentliche Tastaturnutzer, die mit der entsprechenden Tastenkombination nicht vertraut sind. Für sie sind Auswahllisten ohne Submit-Button nicht benutzbar.
(07.04.2005)